Frisch, fromm, fröhlich und etwas unfreiwillig begab ich mich vor nunmehr fast 3 Monaten in den Dienst für mein Vaterland, ich brach auf, es am Waschlappen zu verteidigen, nichtsahnend, welche Merkwürdigkeiten mir noch begegnen würden.

Zunächst erschien der bürokratische Aufwand um Zivildienstleistender zu werden durchaus überschaubar, es galt lediglich einen netten Brief, in dem man erklärte, dass man doch bitte, bitte nicht “weder Mensch noch Tier, sondern Panzergrenadier” werden wolle, an das BAZ, das Bundesamt für den Zivildienst, zu richten und schon war man anerkannter KDV, Kriegsdienstverweigerer.

Doch dies war nur die Ruhe vor dem Sturm, wie sich spätestens in der Zivildienstschule Ritterhude herausstellt. So präsentierte sich dem unbedarften Zivi ein Wust aus undurchsichtigen und merkwürdig militärisch angehauchten Paragraphen, Bezügen und Bezeichnungen. Außerdem konnte man sich während des Lehrganges durchaus als kaserniert ansehen, wobei man sich als Niedersachse noch glücklich schätzen konnte, nicht ein armes Schwein zu sein, das 6 Stunden mit dem Zug nach Ritterhude fährt, obwohl die nächste Zivildienstschue in Fußweg-Reichweite gewesen wäre. Nichtsdestotrotz sah man sich nach dieser einwöchigen (Des-)Informationsveranstaltung dann zwar als informiert an, konnte aber nicht wirklich viel mit den Formularen seiner Dienststelle anfangen, die irgendwie nicht die gleichen waren, die man doch in Ritterhude erklärt bekommen hatte.

Dabei fällt mir dann noch das nette Verfahren ein, wie man dienstlich korrekt zu einer ärztlichen Behandlung zu kommen hat. Zunächst ist es erforderlich, sich einen hellgelben Behandlungsschein von seiner Dienststelle zu besorgen. Mithilfe dessen lässt man sich dann von seinem Hausarzt eine Überweisung zu dem Arzt, zu dem man eigentlich will, schreiben. Stellt der Arzt eine Dienstunfähigkeit fest, so ist er natürlicherweise nicht berechtigt, den ZDL sofort krank zu schreiben, nein, der ZDL ist zunächst verpflichtet sich in seiner Dienststelle zu melden, um sich einen gelben Schein (in doppelter Ausführung) geben zu lassen, den er dann beim Arzt mit der Krankschreibung versehen zu lassen hat. Der in doppelter Ausführung vorliegende Schein muss dann bei der Dienststelle eingereicht werden, die dann ein Exemplar an die medizinische Abteilung des Bundesamtes weiterleitet.

Diese Verfahren ist allerdings noch ungemein einfach, wenn man einmal betrachtet, welche Komplikationen es mit sich bringt, eine besondere Sehhilfe zu beantragen, und wie wenig eigentlich jeder einzelne Beamte weiß. Ruft man denn zwei verschiedene Sachbearbeiter an, erhält man gegenteilige Auskünfte. Während der eine die Auskunft gibt: “Sie müssen sie beim Bundesamt einen formlosen Antrag einreichen und erhalten ihre Sehhilfe gegen Vorlage des grünen Formulars.”, behauptet der andere, man benötige lediglich das gelbe Formular von seiner Dienststelle, und der dritte spricht von einem weißen Formular, da man doch zu viele Dioptrien habe. Verwirrt begibt man sich dann vertrauensvoll zu seinem Optiker und beschließt der Brille zuzuzahlen, um nicht ein Kilo Silikatglas nach DIN 58203 auf der Nase zu tragen.

30. September 2007 | Generell | Kommentare: (0)

Zunächst einmal fällt mir auf, dass ich das Bloggen nicht sehr vermisst habe. Natürlich guckt man flüchtig auf die Statistik und stellt fest, dass zwei Leser weniger da sind, dafür vier mehr Suchanfragen reingekommen sind. Das ist mir aber recht unwichtig.
Schöner war es zu sehen, wie 11 körperbehinderte Kinder freudig den Stars des SV Werder Bremen hinterher laufen und nach Autogrammen fragen. Es ist unwichtig, ob irgendein Journalist irgendeinem Typen von der ddp irgendwas schreibt und das dann auch noch 50 mal in etlichen Blogs kommentiert wird.
Schön war der Blick aus dem sechsten Stock der Jugendherberge am Weserufer auf die ruhige Weser und auf die Becks Brauerei dahinter. Die Tage in Bremen mit ihren Erlebnissen waren wichtig.

Das Motto “Einige Menschen haben Gedanken und die schreiben sie dann auf”, werde ich mal wieder öfter zu Rate ziehen, wenn ich Beiträge schreibe. Persönlich geschriebene Blogs sind interessant. Die 100 neuesten Artikel von den sogenannten Topbloggern habe ich mit einem Klick ins Nirvana geschickt. Die neuen Einträge von Jeriko und Julie sind nett und witzig. Sowas liest man gerne und dafür sollte man sich Zeit nehmen.
Was interessieren mich irgendwelche Karten, wo man sehen kann wer wo mit wem irgendwie über irgendwen verbunden ist. Egal, ich blogge in Zukunft nur noch nach dem Stil: “Ich hab ‘n Gedanken und schreibe ihn auf, auch wenn der Gedanke vielleicht unsinnig ist oder nicht dem Mainstream gefällt”.

Zu wem geht man, wenn man ein Problem hat? In der Familie liegen die Dinge meist klar: Der PC will nicht, der jüngste Sohn bringt ihn zum Laufen. Der Fleck im neuen Pullover geht nicht raus, Mama wäscht im Handumdrehen alles wie neu. Woher einen Klemmordner um 23 Uhr nehmen für den morgigen Abgabetermin, Papa hat einen in seinem Büro. Keine Eier für den benötigten Kuchen am Sonntag und die Tankstelle hat auch keine, der beste Freund vom besten Sohn borgt sofort ein halbes Dutzend.
Aber wie hält man es mit der Problemlösung im Betrieb, in der Firma, in der Schule im Verein? Man sollte sich einfach die Frage stellen: Zu wem gehen die anderen, wenn sie ein Problem haben. Man wird feststellen, daß es nie der Betriebsleiter, nie jemand mit einem schicken Titel, nie der Rektor und nie der Vereinsvorsitzende ist. Man wendet sich vertrauensvoll an die Sekretärin, die es ohnehin besser weiß als der Chef. Sie wird es schon richten. Der Hausmeister, um es abzukürzen, ist in jedem Betrieb und in jeder Einrichtung der Problemlöser. Und sollte er wirklich ein Problem nicht sofort selber lösen können: Er kennt einen, auf den er sich im Fall eines Falles verlassen kann, daß der ihm bei der Problemlösung sicher hilft.

27. September 2007 | Gedanken Generell | Kommentare: (1)

Ein neues Spiel. Wer erfindet das schönste neue Kofferwort?
Ein Kofferwort besteht bekanntlich aus mindestens zwei Wörtern, die zu einem neuen inhaltlichen Begriff zusammengefügt werden. Der Begriff Kofferwort ist in Alice im Wunderland zu finden: Ein zusammengesetztes Wort wird mit einem Handkoffer verglichen, das Kofferwort war da. Man könnte es auch Wortkreuzung nennen.
Wir kennen das: Euro+teuer wird Teuro, Daten+Kartei wird Datei, Producer+Consumer wird Prosument oder Prosumer. Das letzte Wort ist im Web2.0 von großer Wichtigkeit: Hier ist jeder Hersteller und Verbraucher gleichzeitig. Daher paßt der neue Wettbewerb hier gut.
Wer findet das schönste neue Kofferwort? Bitte ab sofort starten und posten. Ende offen.

25. September 2007 | Generell | Kommentare: (2)

Die nächste Dienstreise steht an. Als Begleitperson mit einer Klasse nach Bremen, um dort bis Freitag die Stadt, Leute, das Stadion und andere Dinge zu erkunden.
Ich hoffe mal, dass alles klappen wird und ich mit einer netten Geschichte im Gepäck nach Hause kommen werde.
Auf Inhalt braucht ihr diese Woche auch nicht zu verzichten, denn es haben sich wieder ein paar Gastblogger gefunden, die mich hier vertreten werden. Ich danke euch dafür schon einmal recht herzlich.

Ein schöne Woche wünsche ich euch allen!

23. September 2007 | Benedikt | Kommentare: (0)

Mir platzen die Trommelfelle, wenn Herr oder Frau Klugschwafel wieder etwas realisiert hat. Das Fernsehen bietet ihnen eine Plattform, die Zeitschriften sind voll von Realisierern. Ja, was zum Teufel haben sie denn wieder verwirklicht? Laufen so viele Leute herum, die ihre Pläne in die Tat umsetzen? Oder sind es die Zeitgeistmacker und Zeitstromgören, die im Englischunterricht nicht aufgepaßt haben. Ich werde sie alle in Zukunft bitten, mir den Satz zu übersetzen: I realize something. Verstehen Sie mich? Haben Sie das jetzt kommuniziert?

23. September 2007 | Gedankensplitter | Kommentare: (2)

Ich hatte angekündigt, dass ich in Zukunft Beiträge mit Links zu interessanten Themen verfassen werde, die mir unter der Woche so ins Auge gefallen sind. Dieser Beitrag macht den Anfang und es wird in regelmäßigen Abständen so weiter gehen.

Neu in meinem Feedreader ist seit dieser Woche das Weblog Fubiz. Ich habe mit der französischen Sprache nun nicht so viel am Hut, doch die Designer und Werke, die dort vorgestellt werden sind wirklich klasse.
Adobe hat Photoshop-Familie ein neues Logo verpasst. Zu sehen ist es auf dem Photoshop-Weblog. Ich glaube man hat sich zu sehr an das Alte gewöhnt, als das man direkt sagen kann, dass das “P” eindeutig besser ist. Gewöhnungsbedürftig.
Das Dr.Web Weblog hat die Monatsnachlese veröffentlicht in der sich viele interessante und gute Linktipps befinden. Ich finde diese Artikel immer sehr hilfreich, weil man so alles wichtige auf einem Blick hat.
Gleiche Autoren, nur anderes Weblog: Beim Smashing Magazine wurden zum dritten Mal tolle Desktophintergründe präsentiert. Wer dort nichts findet…
Es gibt auch ein neues Projekt mit dem Namen Metaroll. Dort bin ich aus Interesse auch seit meinem Update angemeldet.
Das Webdesignblog hat auf einen Dienst hingewiesen, dessen Absicht nicht ganz ernst ist. Oder doch?
Jeriko und René haben auf einen beeindruckenden Kurzfilm namens Josie’s Lalaland hingewiesen.
Für alle Fans der Photographie hat Manuela ein Bild mit einem lustigen Vergleich veröffentlicht. Und sie hat gestern mehr Details zu ihrem neuen Buch veröffentlicht. Das klingt wirklich spannend.
Ein interessanten Beitrag gibt es auch auf Reine Gedanken zu lesen, der sich dem Thema “Aufschiebesyndrom” widmet. Sehr lesenswert.

22. September 2007 | Generell | Kommentare: (0)

Persönlichkeiten aus dem TV Geschäft wurden schon gekündigt. Menschen aus der Kirche werden heftigst kritisiert für Worte, die wie Waffen liberale Menschen durchbohren.
Aktuelle Beispiele, die ich hier nicht anführen werde, belegen es eindeutig. Man muss aufpassen, was man sagt, wie man es sagt und auch wenn es gar nicht so gemeint ist, wie man es gesagt hat, sagen andere, dass es versteckt eben doch so gemeint ist. Am Ende fühlt sich irgendeine Gruppe auf den Schlips getreten.
So darf man das Wort entartet nicht mehr schreiben, ohne dass einem eine Gruppe von Menschen sagt, man überschreite eine Grenze des Erlaubten.
Muss sich jetzt jeder Mensch verstecken und bloß mit niemandem reden?
Nein! Natürlich gibt es Hilfestellungen. Zum Beispiel eine Liste mit indizierten Worten, die man tunlichst vermeiden solle.

“Ich komme aus HH” ein Fauxpas, den sich schon mehr als 10 Mio. Menschen erlaubt haben ist in Zukunft verboten. Besser ist: “Ich komme aus HaHa”. Zugleich müssen auch andere Bundesländer wie Niedersachsen, oder Sachsen-Anhalt, auf die Abkürzungen achten.

“Braun ist meine Lieblingsfarbe” hinter dieser Aussage wird bestimmt irgendein zentraler Rat eine böse Aussage vermuten. Hier ist zu raten, dass man sich eine neue Lieblingsfarbe sucht.

Auf die Frage “Wer ist denn euer Führer?” bekam der Schiedsrichter böse Beschimpfungen an den Kopf geknallt.

“Jedem das seine” ist nicht so bekannt und wird häufig benutzt. Ist hier die Mehrheitsentscheidung gefragt? Nein! Diese Inschrift fand man in Buchenwald und ist ab sofort Tabu.

“Die gute alte Zeit” ist nicht mehr gut, weil sie nicht genau angibt, welche Zeit gut war und dass eine bestimmte Zeit nicht gut war, ist ja mehrheitlich bestimmt.

Hart trifft es auch den Volksstamm der “Arier”, weil die sich nun umbenennen müssen. Nicht auszudenken, was das für einen Skandal gübe, wenn sich jemand als “Arier” vorstellt.

Die “Zigeunersauce” sollte man sich aus Rücksicht schnellstmöglich aus dem Kopf streichen. Die politisch korrekte “Sinti und Roma-Sauce” ebenfalls. Auch werden keine “Negerküsse” mehr verteilt, sondern Schaumküsse.

Eine “Totale” darf man auch nicht mehr drehen.

Leider kann man in Deutschland auch kein “Heil” mehr erfahren, da dieses Wort nicht mehr in den Mund genommen werden darf. Als Reaktion folgt vermutlich eine Völkerwanderung der Gläubigen.

Da kommt nebenbei die Frage auf, wieso man das schöne “ß” gegen “ss” in so vielen Wörtern getauscht hat. Versteckter Angriff oder Zufall? Vielleicht sollte ich auch “daß” wieder mit “ß” schreiben. Ich bekomme ja nun keinen Punktabzug mehr dafür.

Diese Liste kann beliebig weit fortgesetzt werden und zeigt, dass Worte durch Beschlüsse und Übereinkünfte verschiedener Personen verboten werden können. Sobald jemand eines dieser Worte sagt, wird ihm erst die gelbe Karte gezeigt und er wird bei Wiederholung mit der Ausreise bestraft.
Da haben es die Leute doch gut, die einfach eine andere Sprache sprechen als wir. Die können sagen, was sie wollen und niemand hindert sie daran.

19. September 2007 | Gedanken | Kommentare: (2)

Deine Privatsphäre kannst du unter Einstellungen anpassen.

17. September 2007 | Gedankensplitter | Kommentare: (3)

Ich nehme alles gleich so wörtlich, sagt das Umfeld zu mir. Und was mir merkwürdig erscheint, ist der Umstand, daß das Umfeld um so mehr lacht, je wörtlicher ich etwas nehme.
Viele Schwierigkeiten hatte ich dadurch, daß ich gegangen bin, wenn jemand sagte: “Ach, geh.” Unter grinsendem Gelächter des Sprechers wurde ich dann oft wieder zurückgeholt. Was soll das?
Probleme mit dem Bleiben des Bewußtseins hatte ich an dem Tag, als ich auf die Alkoholwerbung gestoßen bin. Ich war magenmäßig recht umtriebig an dem Tag und griff in der Hoffnung auf Linderung zu einem Magenschnaps. Auf der Flasche stand, man solle immer nur einen trinken, aber einen immer. Sicherlich, dachte ich mir, ist das ein ungewöhnliches Apothekenmaß. So etwas hatte ich auch noch auf keinem anderen Beipackzettel gelesen, aber ich befolgte es, bis die Flasche einen Schluck nach dem anderen Schluck geleert war. Das Bewußtsein entschwand mir, die Schmerzen verlagerten sich vom Bauch in den Kopf und ich wurde von meinem engsten Umfeld höhnisch beschimpft.
Zu meinem Geburtstag habe ich ein Hörbuch erhalten, worüber ich mich auch deswegen besonders freute, weil es mein erstes Hörbuch ist. Robert Sapolsky: Mein Leben als Pavian, 6 CDs. Auf dem Beipack für Hörbücher steht: Ideal beim Autofahren. So bin ich heute 7 Stunden durch die Gegend gefahren und habe gespannt und ideal zugehört. Der Sapolsky ist ein so trockener Streßforscher, daß ich von ihm begeistert bin und die CDs gleich noch einmal angehört habe. 7 Stunden Rückfahrt vergingen wie im Idealflug.
Welche unverschämte Reaktion ich mir morgens und abends beim Zähneputzen durch mein Umfeld einhandele, will ich hier nicht schildern. Aber sagen Sie mal im Vertrauen: Auf der Zahnpastatube steht doch: Auf den Kopf stellen!?

16. September 2007 | Generell | Kommentare: (2)