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Die Symptome kennt jeder: Morgen läßt sich die Arbeit besser als heute erledigen. Aus dem nächsten Tag wird ein übernächster Tag. Gute Vorsätze, eine Aufgabe zu erledigen, werden fröhlich gefaßt und schnell vergessen. Die unerledigten Dinge wachsen einem über den Kopf. Am Abend stellt sich das Gefühl ein, nichts von den vorgenommenen Aufgaben erledigt zu haben. Das anfangs noch laute schlechte Gewissen verstummt immer mehr. Es bleibt ein nagendes Gefühl. Sogar wenn noch mehr Streß zu erwarten ist, wird die Aufgabe aufgeschoben. Unlust und Angst stellen sich ein. Negative Gefühle verhindern das Inangriffnehmen der Aufgaben. Ein Teufelskreis ist entstanden, aus dem kaum aus eigener Kraft ausgebrochen werden kann. Peter Ustinov gibt eine treffsichere Definition: „Die Menschen, die etwas von heute auf morgen verschieben, sind dieselben, die es bereits von gestern auf heute verschoben haben.”
Für die Ursachen des Aufschiebeverhaltens, der Prokrastination, lassen sich falsche Prioritätensetzungen der betroffenen Personen nennen wie auch schlechtes Zeitmanagement, Selbstüberschätzung wie Selbstzweifel, Motivationsmangel wie Versagensängste. Wir können auch neurotische Ängste vor dem Versagen erkennen. Die Angst, daß das eigene Wohlbefinden durch die Aufgabenerledigung gestört wird, könnte Kennzeichen einer tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung sein.
Ich würde die Prokrastination eine prätraumatische Belastungsstörung nennen, die im Unterschied zur posttraumatischen Störung die Reaktion auf antizipierte mögliche Folgen einer unterlassenen Handlung darstellt. Für den Betroffenen ist es dabei wenig hilfreich, sich über die Konsequenzen seines Verhaltens Gedanken zu machen, da diese Überlegungen ihn nicht entlasten, sondern im Gegenteil weiter belasten. Hier ist ebenso wie bei einer Depression fachliche Hilfe dringend notwendig.

Oder handelt es bei der Prokrastination um die Kunst des Aufschiebens und Verschleppens, die Volkssport geworden ist? Studien zeigen, daß das Verhalten unter Studenten chronifiziert und zum Studienabbruch führt. Blogger berichten offen, von Prokrastination geplagt zu werden. In den letzten Jahren gibt es vermehrt Literatur (auch wohlmeinende Selbsthilfebücher zur Selbstdisziplin) und Forschungen. Also vielleicht nicht nur eine harmlose Charaktereigenschaft, sondern eine moderne Volkskrankheit?

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12. April 2011 | Allgemein

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