Ich habe im Experiment einmal beobachtet, wie unterschiedlich zwei Menschen 75 Cent unter sich aufteilen. Die Aufgabenstellung lautete: unter euch teilen. Der Erwartungshorizont war, wie Angehörige verschiedener Bildungsschichten die Aufgabe unterschiedlich lösen würden. Sollten Wissen und Bildung eine andere Lösung bringen als Nichtexpertenwissen?

Die Hochgebildeten. Zwei Hochschullehrer der Wirtschaftswissenschaft nahmen sich nach wochenlangen Terminabsprachen die Zeit für unser Experiment. Als 7 ZehnCentstücke und ein FünfCentstück vor ihnen lagen und sie mit der Aufgabe bekannt gemacht worden waren, fragten sie, ob sie die Aufgabenstellung schriftlich haben könnten. Dann zückte der eine sein Handy, der andere seinen wissenschaftlichen Taschenrechner. Am Handy wurde der Assistent befragt, ob es Referenzliteratur zur Problemstellung gäbe. Am Taschenrechner wurde eine erste Berechnung als Graph ausgedruckt. Beide waren sichtlich unbefriedigt. Die Münzen faßten sie nicht an. – Um es abzukürzen: Sie haben sich und ihre Entscheidung vertagt, wollten eine Arbeitsgruppe gründen, Wir haben nichts wieder von ihnen gehört.

Die Gebildeten. Zwei Akademiker schlugen einstimmig vor, das Geld ungeteilt den Ärzten ohne Grenzen zu spenden. Man wolle sich doch nicht persönlich bereichern. Nicht bei dieser Summe.

Die Studenten. Sie hätten von der Frage schon gehört. Einer sagt: Lob der partiellen Unkenntnis, was? Der andere war 2000 in Oxford und wirft kenntnisreich ein: Simple Heuristics. That make us smart. Peter Todd. Und die Oberlippe wurde ganz steif. Das Geld blieb ungeteilt.

Die Gymnasiasten. Zwei Oberstufenschüler einer Gesamtschule in Gelsenkirchen (NRW) sagten spontan, sie hätten schon mal was von der Aufgabe im Religionsunterricht gehört und wollten sie sofort in ihrer Jahrgangsstufe diskutieren. Arbeitspaper: Wikipedia, (Sie haben das Stichwort nicht gefunden.)

Die Realschüler. Sie wären ja nur halbgebildet, zwinkerten sie, als ob sie Theodor W. Adornos Theorie der Halbbildung gerade zum Frühstück gelesen hätten. Der Hausmeister sollte ihnen ein 10- und ein 5Centstück mit der Kneifzange durchhacken. Ja, dann ginge es auf.

Die Hauptschüler. Du kriegst 40 Cent, ich nehme 35 Cent. Was machen wir nachher? Gehen wir Eisessen. Ich hab noch 5 Cent. Kriegen wir beide eine Kugel.

Die Fernsehkonsumenten. Genau das war doch die Tage bei „Wer wird Millionär?“ Ruf da doch mal an. Ach was, gugel das mal. Ja, wie denn? Weiß nicht. Ja, aber bei „Wetten was?“ können wir doch mitmachen, oder was? Kerl, gib endlich das Geld her.

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30. März 2011 | Alltag

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