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Briefe sind eigentlich etwas tolles. Ich freue mich immer sehr, wenn ich einen Brief erhalte. Ein langer ausführlicher Brief wird nicht nur einmal gelesen. Als erstes überfliegt man ihn. Dann legt man sich ihn auf den Schreibtisch um ihn in Ruhe später genau zu studieren. Man heftet ihn ab und holt ihn bei der Beantwortung wieder hervor. Je nach Inhalt kann man einen Brief auch nach Wochen noch ein drittes oder viertes Mal lesen.
Ein Brief ist sehr viel ausführlicher und persönlicher als eine E-Mail oder ein Anruf. Man reflektiert die letzten Tagen und Wochen. Die Gedanken macht man sich vorher und schreibt sie dann erst nieder. Bei der Formulierung gibt man sich größte Mühe den zu beschreibenden Gedanken ausführlich auszuschmücken. Auf einen Brief antwortet man auch nicht sofort, nicht mal eben zwischen Tür und Angel. Man nimmt sich Zeit und steckt doch viel Mühe hinein.
Ein Brief ist rundum etwas tolles.

Briefe schreiben ist aber out. Stift und Zettel werden kaum noch verwendet, um seinem Mitmenschen etwas mitzuteilen. Die Kommunikation beläuft sich ganz und gar auf das Internet oder das Telephon. Doch führen diese Gespräche zu Verarmung der Unterhaltung. Eine E-Mail ist schnell beantwortet. Mal eben so husch husch. Tippen geht rasch, wenn der Gedankengang nicht stimmig ist, wird es einfach wieder gelöscht. Es werden sich weniger Gedanken gemacht. Die Kommunikation bei E-Mail und Telephon verkommt zu einem sinnlosen und beiläufigen Gebrabbel, weil die Antwort einfach viel zu fix daher kommt. Aber wenn ich mir Zeit für eine ausführliche E-Mail nehme und zwei Stunden später eine Antwort ins Haus flattert, ist es eben nicht dasselbe wie ein Brief.

Wenn man einen Brief abschickt, kann man sich Tage auf die Antwort freuen. Und wenn der Tag dann erreicht ist und ein Antwortschreiben im Briefkasten legt, ist es wahrlich eine Freude. Das sind dann die kleinen Freuden im Alltag, die das Leben schöner machen. Man kann sich einige Zeit aus der Gedankenwelt des Alltags lösen. Deshalb sind Briefe etwas sehr besonderes.

Also schreibt doch mal wieder einen Brief. An Verwandte, Freunde oder Menschen, die ihr lange nicht mehr gesehen habt. Es ist eine Freude, keine Last.

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19. November 2010 | Gedanken

6 Kommentare wurden geschrieben

  1. Silke sagt:

    Briefe schreiben und auch erhalten ist wirklich eine Freude. Früher hatte ich auch eine sehr gute Brieffreundin. Durch mein Studium bin ich nicht mehr dazu gekommen ihr zu schreiben. Ich habe mir ehrlich gesagt einfach keine Zeit mehr dafür genommen. Vielleicht werde ich ihr wieder schreiben und hoffen das die Adresse noch aktuell ist.

  2. Martina sagt:

    Ein sehr guter und äußerst zu empfehlender Gedanke.
    Es stimmt, Briefe zu schreiben und auch zu erhalten macht Spaß!

  3. Benedikt sagt:

    @Silke:

    Habe ich auch gemacht und die erste Zeile der Antwort begann mit den Worten: “Welch große Freude…”
    Die Freude ist also beiderseits.

  4. Arven (Michaela) sagt:

    Wunderschön geschrieben…
    Schade das Mails, SMS und co Briefe abgelöst haben…

  5. Frauke sagt:

    Seit wann schreibst du Telefon mit “ph”?
    Sind das Auswirkungen deines Griechischlernens?
    Oder habe ich jetzt zu viel verraten – deine Anonymität zerstört?
    (Haha, dein Name ist ja auch so häufig.)
    Jedenfalls habe ich mich hier wieder festgelesen und bin sehr irriiert, dich ausnahmsweise nicht so recht erreichen zu können.
    Werde versuchen dich durch mehr lesen telepathisch ins Internet zu bekommen… Fortsetzung folgt.

  6. Haselmaus sagt:

    Briefe sind wahrlich noch etwas besonderes und ich freue mich umso mehr, dass ich mir noch immer mit meiner Brieffreundin aus Tschechien schreibe. Wir kennen uns seit ca. 10 Jahren. Inzwischen schreiben wir uns nicht mehr so häufig wie früher, aber wir schreiben uns, und das ist, was zählt.

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