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Luxus heißt Verschwendung. Luxus überschreitet das Maß des normalen Aufwandes für Bedürfnisse. Dabei ist der Maßstab relativ. Was dem einen Menschen normale Befriedigung ist, wird ein anderer als Luxus ansehen. Standard ist mehrheitlich sinnvoll erachtetes Maß. Luxus wäre demnach etwas, was erstrebenswert erachtet wird, aber im Tauschwert erheblich ist. Kurz: Luxus ist teuer, zu teuer für die Masse.
Deshalb gibt es keinen Luxus für alle, sondern nur für wenige, die durch Macht und Reichtum so gestellt sind, daß ihnen der Luxus gar nicht als Verschwendung auffällt.

Einfach ist materieller Luxus zu beschreiben: Haus, Auto, Boot, Jet, Kleidung, Schmuck, Uhren, Kaviar und Bergquellwasser – edel, selten, teuer. Kurzum: Statussymbole, die zeigen, daß jemand erfolgreich ist. Mit Bedenken füge ich dieser Sammlung auch Frau und Tier hinzu, aber auch da soll es Preise geben.

In geschichtlicher Hinsicht zeigt sich, daß die Auffassung sehr zeitgeprägt ist, was man unter Luxus zu verstehen hat. Eine Handschrift mit kostbaren Miniaturen, eine handgeschriebene Bibel, ein Wiegedruck – das waren Luxusgüter zu einer Zeit, als kaum jemand ein Buch besitzen konnte. Auto und Telephon waren vor noch nicht allzu langer Zeit Luxusgüter, wenn sie nicht Geschäftszwecken gedient haben. Wasser steht in den Industrienationen jedem Haushalt heute zur Verfügung. Ein Burgherr hatte in früheren Zeiten seine liebe Last, Trinkwasser in ausreichender Menge zu haben, wenn seine Burg hoch auf dem Berg war.

Kommen wir zum letzten Gedanken. Gibt es immateriellen Luxus? Gibt es verschwenderische Gedanken? So ein Unfug, wird man denken, denn Gedanken sind doch kein käuflich zu erwerbendes Gut. Da bin ich mir aber gar nicht so sicher. Wird nicht viel Geld für Gedankenlieferanten gezahlt? Spindoktoren oder Braintrusts nennt man so etwas im besten Brabbeldeutsch. Da werden Leute für ihre Gedanken bezahlt. Und gute Ideen kosten viel Geld. Und die besten Ideen sind fast unbezahlbar. Tatsächlich scheinen tolle Ideen ein wahrer Luxus zu sein. Kaum jemand kann sich dieses Luxus leisten.

Und wenn nun jemand seine Ideen einfach verschwenderisch verschenkt? Nein, so etwas kann man sich gar nicht ausdenken.

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22. März 2011 | Dachbodenfund | Kommentare: (2)

Normalerweise beantworte ich die unerwünschten Telefonumfragen schon deswegen nicht, weil sie mich zu Unzeiten erreichen. Sei es am Frühstückstisch, sei es in der Badewanne, sei es, daß die Sekretärin nicht abnimmt, weil sie anderweitig beansprucht ist, sei es, weil ich gerade nachdenken muß. Am schlimmsten ist es, wenn ich auf einer anderen Leitung spreche und mich dann ein zweiter Anruf erreicht: „Hallo, guten Tag, hier die Millionärssendung von Günther Schlauch. Wollen Sie bei uns mitspielen?“ Und bevor ich noch in den ersten Hörer um Geduld bitten kann, überschüttet mich der Animateur auf Leitung 2 mit unsinnigen Fragen, an die ich bis dahin überhaupt nicht gedacht hatte.

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18. November 2010 | Dachbodenfund | Kommentare: (0)

Es gibt Worte zum Kotzen. Professionell ist zum Kotzen. Was heißt professionell? An der Universität Heidelberg kann man lernen, sich professionell zu bewerben. Soll das heißen, daß man es richtig machen soll beim Bewerben oder soll man das berufsmäßige Bewerben erlernen? Es heißt, Sexarbeiterinnen müßten Prostitution professionell betreiben. Würde irgend jemand anderer Auffassung sein, daß ein Beruf ein Beruf ist, auch wenn vom ältesten Gewerbe geredet wird? Berufsmäßige Unzucht. Wir realisieren professionelle Automatisierungslösungen. Ja, ist das nicht die Aufgabe von Fachleuten, ihre Arbeit fachgerecht zu betreiben? Professioneller Internetauftritt – nein, lieber von der Kindergartengruppe gebastelt als von jemandem, der sich als professionell anpreist.

Ach, laß es gut sein, höre ich die Einwände. Das ist doch alles nur ein bißchen Werbesprache. Ein Marketingblabla. Reg dich nicht auf. Ich will mich aber aufregen. Wenn zu hören ist, ein Politiker hätte dies oder das unprofessionell gesagt, gedacht, getan, was ist dann davon zu halten? Hat er sich schlecht verkauft oder Dummheiten gemacht oder beides?

Nach einem Unglück hörte ich, daß sich Trauerbegleiter sehr professionell verhalten hätten. Das möchte ich nicht kommentieren. – Die Steigerung von dem professionellen Verhalten der Trauerbegleiter vernahm ich kürzlich, als ein Angebot zur professionellen Trauerarbeit in selbstredend professionellen Räumlichkeiten unterbreitet wurde. Pfui, da bleibt einem die Spucke weg.

Das Wort ist wie eine Sintflut über uns hereingebrochen. Ich tröste mich mit der Erkenntnis, daß die Arche von ungelernten Leuten erbaut wurde, die Titanic von professionellen Schiffsbauern.

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17. November 2010 | Dachbodenfund | Kommentare: (0)