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Im Cafe sehe ich am übernächsten Tisch zwei Personen in merkwürdigem Gespräch. Eine Person öffnet den Mund, hält dann an mit der Rede, fährt gleichzeitig mit der linken und rechten Hand hoch in Brusthöhe und knickt Ring- und Mittelfinger beider Hände kurz zweifach ein, etwas Raum zwischen den Händen lassend. Dann wird weiter geredet. Die zweite Person wiederholt kurz danach diese merkwürdige Geste. So geht das hin und her. Hände hoch, in die Luft kitzeln, Hände runter. Handelt es sich um eine Gebärdensprache? Lustig sieht es aus, aber unverständlich.
Der Assistent kommt gelaufen, recht blaß im Gesicht. Er sei fertig, läßt er verlauten und reißt beide Hände hoch, knickt die Finger zweimal und läßt die Hände sinken. Ja, das sehe ich ihm direkt an, daß er fertig ist.
Nun will ich es aber wissen und schalte ein Fernsehgerät ein. Amerikanischer Sender. Wieder sehe ich Leute mit dieser merkwürdigen Geste. Es sieht immer so aus, als ob sie zwei Anführungszeichen in die Luft machen. Englische Anführungszeichen natürlich, denn es handelt sich ja um Amerikaner. Sie scheinen etwas in Gänsefüßchen zu setzen, während sie reden. Was meinen sie wohl damit? Wollen sie sagen, daß sie das Gesagte zitieren? Das glaube ich kaum, denn es handelt sich um recht banale Äußerungen, die wohl nicht Zitate sind. Was wird da also gemacht? Mein Umfeld sagt mir, das mache man so, um zu zeigen, daß das Gesagte nicht wörtlich gemeint sei. Bei wörtlich macht das Umfeld auch schon wieder diese Luftgänsefüßchen. Nun fällt bei mir der Groschen: Es handelt sich um einen Ironiemarker, der dem Gesprächspartner signalisiert, daß man es eigentlich gar nicht so meint, wie man es sagt. Sozusagen sind die Luftanführungszeichen das Signal: Unter uns, wir verstehen uns doch, mein ich nicht das, was ich sage, da sind wir uns doch einig, nicht wahr, na klar, du weißt es auch schon.
Was vergeblich für schriftliche Texte verlangt wurde, der Ironiemarker in Form des umgedrehten Fragezeichens oder sonst ein verdrehtes Schriftzeichen, hier ist es für die mündliche Kommunikation gefunden. Ob es hilfreich ist? Nicht eigentlich. Diese Gymnastikübung erinnert etwas an einen Clown. Und sollten wir nicht wenigstens verlangen, daß die Luftzeichen in unterschiedlicher Höhe gemacht werden, wenn nicht Englisch gesprochen wird? Nicht eigentlich. Am besten sollte jeder eigentlich das sagen, was er eigentlich sagen will. Und was er eigentlich nicht sagen will, darüber sollte er eigentlich schweigen.

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Clemens Wilmenrod – wer den Namen noch kennt und dabei an eine Kochschürze mit dem Portraits des Kochs darauf denkt, der hat noch Schwarzweißfernsehen bestaunt oder ist ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Kochshows im Fernsehen. Heutige Fernsehkonsumenten kennen eher die Namen Biolek, Lafer, Kerner; sie bewundern angeblich perfekte Dinner oder lassen ihren Kindern von Tim Mälzer als Sandmännchenersatz den Unterschied zwischen Salz und Zucker oder zwischen verbrannt und feinen Röstaromen erklären.
Wilmenrod hingegen war anders, weil er ein Missionar des Essens in der Nachkriegszeit war. Niemals hätte er von irgendeiner Molekularküche auch nur geträumt. Ihm verdankt Deutschland den Toast Hawaii, der seinen Siegszug auf alle Speisekarten Deutschlands gefunden hat. Dieser Toast war der Höhepunkt des Kulinarischen: modern, erschwinglich, übersichtlich, in jeder Küche herzustellen und doch so gänzlich chic und gar nicht unverschämt teuer.
Und heute? Die Höhepunkte heute: witzige oder pseudowitzige oder angestrengte Kommentare, die dem Zuschauer gute Laune vermitteln sollen. Wenn Laien kochen, ist die Schadenfreude über etwas Mißglücktes riesig. Wenn gar nichts vom Hocker reißt, erzeugt der Zusammenschnitt eine künstliche Spannung unter dem Motto: Wird das Kaffeewasser noch rechtzeitig kochen?
Nun ist das Sandmännchen Tim gerade auch noch als Sprachkobold durch das Abendprogramm gegeistert. Gute Nacht!

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Mir platzen die Trommelfelle, wenn Herr oder Frau Klugschwafel wieder etwas realisiert hat. Das Fernsehen bietet ihnen eine Plattform, die Zeitschriften sind voll von Realisierern. Ja, was zum Teufel haben sie denn wieder verwirklicht? Laufen so viele Leute herum, die ihre Pläne in die Tat umsetzen? Oder sind es die Zeitgeistmacker und Zeitstromgören, die im Englischunterricht nicht aufgepaßt haben. Ich werde sie alle in Zukunft bitten, mir den Satz zu übersetzen: I realize something. Verstehen Sie mich? Haben Sie das jetzt kommuniziert?

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26. November 2010 | Gedankensplitter | Kommentare: (2)

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die den Tag schöner werden lassen. Manchmal findet man fünf Euro auf der Straße. Ein anderes Mal bekommt man nach dem Tanken noch einen Gutschein für einen Hamburger. Ab und zu steckt die Bäckereifachfrau einem kostenlos ein Brötchen zu. Oder man macht einfach irgendwo ein Schnäppchen.
Dann gibt es auch noch so Momente, da erhält man nichts. Keinen Gegenstand, Gutschein oder Geld. Da passiert einfach etwas, was einen glücklich stimmt.

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20. November 2010 | Gedankensplitter | Kommentare: (3)

Als ich gestern Nacht mit dem Bus nach Hause gefahren bin, bin ich mal wieder meiner Lieblingsbeschäftigung an solchen Orten nachgegangen: Leute beobachten.
Zuerst war mein Augenmerk auf einen Mann gerichtet, der sich pausenlos fragte, was er bloß falsch gemacht hätte. Er schüttelte immerzu den Kopf, bis er irgendwann friedlich einschlief. Ich habe über den Mann nicht länger nachdenken können, obwohl ich mich gerade wieder frage, was er wohl so falsch gemacht hat, weil sich zwei Jugendliche gegenüber platzierten.
Das Alter kann man kaum bestimmen. Auch so ein Phänomen. Die Jugendlichen sehen alle irgendwie gleich aus. Eben so Jugendalter.
Es war sichtlich erkennbar, dass sie sich näher standen, weil sie brav Händchen hielten. Ich bin von Freund und Freundin ausgegangen.
Die Fahrt dauerte circa 15 Minuten. Vorweg: Der Mann vom Anfang hat mehr zu sagen gehabt als diese beiden.
Kein Wort. Kaum Platz genommen, fummelten sie sich ihre Lautsprecher in die Ohren und hörten Musik. So hörte ich eine Ballade gemischt mit lauter Rock-Musik.
Ab und zu blickte ich in die apathischen Gesichter der jungen Menschen und fragte mich: Sprechen die eigentlich gar nicht mehr miteinander?
Denn selbiges Phänomen stellt man auch in der Fußgängerzone fest. Da gehen drei Mädchen nebeneinander shoppen und hören alle unterschiedliche Musik. Sind Gespräche irgendwie out?

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30. August 2010 | Gedankensplitter | Kommentare: (3)