Falsch. Es geht nicht um ein Dinner. Es geht um die möglichst unterhaltsame Zusammenmischung von Zutaten. Diese Mischung, das Spinnen, unterliegt einem Geheimrezept, das in Perfektion nur wenige Spin-Doktoren beherrschen. Ich lüfte hier das strenggehütete Geheimnis.



Man nehme:

– einen jungen, noch sehr unerfahrenen Studenten, Schauspieler, Arbeitslosen. Diese Person erhält einen Kükenbonus. Ihre Unerfahrenheit weckt Beschützinstinkte und erinnert Mitspieler an die eigene Ahnungslosigkeit. Leitmotiv: Wird er/sie es schaffen, das Wasser in der vorgegebenen Zeit zum Kochen zu bringen? (Diese Person kann auch durch einen Auszubildenden ersetzt werden, der eine besonders modern klingende Berufsbezeichnung wie Sales Manager oder Projektleader erhült.)

– eine ältere Person kurz vor der Pensionierung. Hier gibt es einen Nachsichtsbonus nach dem Mitleidsmodell. Oder es wird ein Abstrafmodus gefunden nach dem Motto: Warum macht der denn in dem Alter noch mit? Oder diese Person spielt den bösen Besserwisser. Leitmotiv: Kann er noch Zucker und Salz unterscheiden? (Diese Person kann auch durch eine Antimainstreamperson besetzt werden: Jäger, Schützenbruder, Heimatvereinsvorsitzender.)

– eine Person mit einer ungewöhnlichen sexuellen Präferenz. Bei ihr geht es um den Lerneffekt des staunenden Zuschauers: Erstaunlich, daß ein einbeiniger Thaimasseur ein Mensch wie du und ich ist. Kochkenntnisse sind nicht erforderlich. Von dieser Person werden ungewöhnliche Showeinlagen erwartet. Leitmotiv: Wird man auffallen? (Diese Person kann auch durch einen Exoten ersetzt werden.)

– einen Kochsachverständigen, der mindestens zwei Fortgeschrittenenkurse bei Lafer absolviert hat. Diese Person hebt die Kochtöpfe so hoch über das Steinzeitniveau der restlichen Teilnehmer, daß sich alle einig sind über die entsetzliche Arroganz: dieses Kochkünstlers. Leitmotiv: Wie machen wir dich zum Buhmann? (Diese Person kann auch durch einen Adeligen mit einer 400-Zimmer-Burg ersetzt werden.)

– eine eßgestörte Person mit einer möglichst exotischen Variante. Vegetarier, Antialkoholiker, Veganer, Magersüchtige, Fischverächter, Kein-xyz-Esser sind beliebte Quälmöglichkeiten für die anderen Teilnehmer. Ergiebig ist dann der fleischlose Müslitag, an dem beileibe kein Fleischesser auf eine Extrawurst hoffen darf. Leitmotiv: Wird auch ja keiner diskriminiert? (Diese Person kann auch durch einen Lokalmatador mit derbem Kolorit ersetzt werden.)

Das sind die perfekten Zutaten. Verrühren und miteinander quirlen. Wichtig ist die Garnierung durch Kommentare aus dem Off. Hierfür verpflichte man die besten Kalauerschreiber, die für Geld zu haben sind. Der Erfolg stellt sich garantiert ein.

Bewertung 10 Punkte. Spinner perfekt.

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23. August 2010 | Fernsehen

5 Kommentare wurden geschrieben

  1. juliaL49 sagt:

    Treffende Beschreibung! Deswegen sind einem solche Shows auch nach wenigen Wochen über, weil man ja doch nur immer das Gleiche in Grün serviert bekommt.

  2. Lordy sagt:

    Nach wenigen Wochen… eher nach wenigen Minuten ;)

  3. Jens sagt:

    JA juliaL49 da gebe ich dir recht es wird nach einigen wochen so langweilig weil man immer das selbe serviert bekommt da hast du vollkommen recht.

  4. Serdar sagt:

    Jep es wiederholt sich alles es wird irgendwann wirklich so langweilig da hat man keine lust mehr.

  5. […] sogar mit einem Hund. Sieht nach unfaßbarem Spaß aus. – Ein Dinner. Ein perfektes sogar. Das hatte ich schon mal. – Schon gelesen. – Die letzten Dinge? Schaut doch den Film von der Hölle, denn dahin wird […]

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