Clemens Wilmenrod – wer den Namen noch kennt und dabei an eine Kochschürze mit dem Portraits des Kochs darauf denkt, der hat noch Schwarzweißfernsehen bestaunt oder ist ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Kochshows im Fernsehen. Heutige Fernsehkonsumenten kennen eher die Namen Biolek, Lafer, Kerner; sie bewundern angeblich perfekte Dinner oder lassen ihren Kindern von Tim Mälzer als Sandmännchenersatz den Unterschied zwischen Salz und Zucker oder zwischen verbrannt und feinen Röstaromen erklären.

Wilmenrod hingegen war anders, weil er ein Missionar des Essens in der Nachkriegszeit war. Niemals hätte er von irgendeiner Molekularküche auch nur geträumt. Ihm verdankt Deutschland den Toast Hawaii, der seinen Siegszug auf alle Speisekarten Deutschlands gefunden hat. Dieser Toast war der Höhepunkt des Kulinarischen: modern, erschwinglich, übersichtlich, in jeder Küche herzustellen und doch so gänzlich chic und gar nicht unverschämt teuer.

Und heute? Die Höhepunkte heute: witzige oder pseudowitzige oder angestrengte Kommentare, die dem Zuschauer gute Laune vermitteln sollen. Wenn Laien kochen, ist die Schadenfreude über etwas Mißglücktes riesig. Wenn gar nichts vom Hocker reißt, erzeugt der Zusammenschnitt eine künstliche Spannung unter dem Motto: Wird das Kaffeewasser noch rechtzeitig kochen?

Nun ist das Sandmännchen Tim gerade auch noch als Sprachkobold durch das Abendprogramm gegeistert. Gute Nacht!

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3. April 2011 | Fernsehen Gedankensplitter

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