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Und dann fragte ich mich: „Wie haben wir das bloß früher geschafft?“. Ein Filmabend mit der Generation 50+.
Zwei grandiose Kritiken der FAZ können doch nicht lügen. So könnte, muss man denken, wenn es sich um einen deutschen Krimi handelt. Also nimmt man dieses Filmhighlight zum Anlaß, der älteren Generation einen Besuch abzustatten.
Der Abend wird vorbereitet: Chips stehen bereit, das Bier ist kühl, der Hocker zum „Füße-drauf-legen“ ist platziert und ganz wichtig: Das Tuch über der Armlehne vom 10.000€ teuren Sofa ist bereit gelegt. Tacker, Tacker, Tacker. Auch die Stehlampe fabriziert nun das rechte Licht.
Der Film kann starten. Das Zimmer ist dunkel, der Kamin knistert.

Sofort werden die Chips vom Jüngling genüsslich verschlungen. Es sind ja schließlich seine.
Die ältere Generation hat irgendwelches „ältere-Genrationen-Essen“.
5 Minuten. Der Vorspann ist noch nicht einmal vorbei, da beugt sich die erste ältere Person in das Blickfeld der anderen, um irgendwie an die Schale mit den Chips zu gelangen.
„Gut, wir halten den Film an.“ Jetzt kann richtig aufgestanden, ordentlich reingegriffen und wieder Platz genommen werden.
Aber: „nur mal eben probieren“ – ohne weitere Worte darüber zu verlieren: es werden an diesem Abend noch ca. 50 Mal die Chips „nur mal probiert“.
Film läuft weiter, alles wieder gut.
Zwei Minuten später folgt die erste verwirrende Szene.
„Halt! Also A ist der Mörder?“ – „Nein, es ist doch noch nicht mal ein Mord passiert und A sieht man das erste Mal!“.
Weiter… „Halt! Wieso? Die war doch schon vorher im Auto, oder nicht?“ – „Nein, das war die Tochter vom B.“ – „Achso! Ja, alles klar“.
Essen, gucken, gluck, gluck..
„Halt! Mal eben Pause. Ich muss der Tante noch zum Geburtstag gratulieren. Ich ruf’ kurz an, dauert nicht lange.“.
So bleibt der Jüngling und die andere ältere Person zurück, gucken ins Feuer und denken wohl beide: „Frauen…“.

10 Minuten später sind wohl die letzten Jahre ausgetauscht. Man(n) fragt sich, wie Frau 10 Minuten Glückwünsche überbringen kann.
„Hey! Glückwunsch. Schönen Abend“, reicht doch auch vollkommen?

Wie dem auch sei, müssen nun die ersten 15 Minuten vom Film reflektiert werden, damit auch wieder alle wissen (also eigentlich nur die Telefonistin) worum es noch einmal ging.

Gluck, Gluck, ess, guck…

„Halt! – Toilettenpause!“. „Du warst doch gerade telefonieren? Hätte man das nicht direkt erledigen können?“. Anscheinend nicht..
Gut, es geht weiter.

10 Minuten sind um. Es muss danach wieder etwas erklärt werden, weil mittlerweile eine Person C schon umgebracht wurde. Außerdem muss neues Holz geholt werden.
Mitten im Film kann die Telefonisten dann ein fundiertes Urteil abgeben: „Der ist aber nicht so gut, wie der von vor ein paar Wochen!“. Aha..
Später erkennt sie Orte wieder: „Oh, guck mal! Da waren wir auch schon einmal.“ Es wird aufgestanden. Auf halbem Wege können die Verbliebenen es verhindern, daß schon einmal die Photoalben herausgekramt werden.

„Vom wem kommt der Film nochmal?“. Die ältere Generation darf untereinander diskutieren, denn der Jüngling nutzt die zwanzigste Unterbrechung, um neues Bier zu holen.

Am Ende des Film ziehen die Männer ein Fazit: „Die Kritik war übertrieben gut. Film war nicht sehr spannend und das Ende enttäuschend.“
Die Frau hört zu und stellt fest, dass sie erst einmal die Hälfte nicht verstanden hat – kann durchaus an den Pausen liegen – will trotzdem etwas beitragen.

Es bleibt dem Jüngling nicht anderes übrig als sich zu fragen: „Welch Glück, dass es einen DVD-Recorder gibt.

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1. Dezember 2010 | Gedanken

2 Kommentare wurden geschrieben

  1. old man sagt:

    Generation 50+ sagt übereinstimmend, daß der Autor eine völlige Mischung der Gene von Generation 50+ ist.

  2. Rai sagt:

    Bin 50+, kann mich aber darin nicht wieder finden.
    Weder ist ein Tuch über der Armlehne des Ikea-Sofas noch esse ich was altersgerechtes.

    Wir schauen uns allerdings, wenn überhaupt der TV von jemanden eingeschaltet wird, auch keine Krimis an (gähn) sondern Science Fiction und ähnliches. Und nebenher wird per Netbook gelesen, was über die Generation 50+ so alles verbreitet wird :)

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