Als ich gestern Nacht mit dem Bus nach Hause gefahren bin, bin ich mal wieder meiner Lieblingsbeschäftigung an solchen Orten nachgegangen: Leute beobachten.

Zuerst war mein Augenmerk auf einen Mann gerichtet, der sich pausenlos fragte, was er bloß falsch gemacht hätte. Er schüttelte immerzu den Kopf, bis er irgendwann friedlich einschlief. Ich habe über den Mann nicht länger nachdenken können, obwohl ich mich gerade wieder frage, was er wohl so falsch gemacht hat, weil sich zwei Jugendliche gegenüber platzierten.

Das Alter kann man kaum bestimmen. Auch so ein Phänomen. Die Jugendlichen sehen alle irgendwie gleich aus. Eben so Jugendalter.

Es war sichtlich erkennbar, dass sie sich näher standen, weil sie brav Händchen hielten. Ich bin von Freund und Freundin ausgegangen.

Die Fahrt dauerte circa 15 Minuten. Vorweg: Der Mann vom Anfang hat mehr zu sagen gehabt als diese beiden.

Kein Wort. Kaum Platz genommen, fummelten sie sich ihre Lautsprecher in die Ohren und hörten Musik. So hörte ich eine Ballade gemischt mit lauter Rock-Musik.

Ab und zu blickte ich in die apathischen Gesichter der jungen Menschen und fragte mich: Sprechen die eigentlich gar nicht mehr miteinander?

Denn selbiges Phänomen stellt man auch in der Fußgängerzone fest. Da gehen drei Mädchen nebeneinander shoppen und hören alle unterschiedliche Musik. Sind Gespräche irgendwie out?



CC: Photo von Saaby

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30. August 2010 | Gedankensplitter

3 Kommentare wurden geschrieben

  1. Dennis sagt:

    Hallo Benedikt,

    sehr nett geschrieben!

    Aber, Gespräche sind in der Tat out.

    Zumindest Gespräche im herkömmlichen Sinne.

    Gespräche finden auf einer gänzlich abstrakteren Ebene statt. Eine Form der wortlosen Kommunikation und dennoch voll unendlicher Vielfalt:

    SMS, Facebook und Twitter.

    Die beiden Jugendlichen konnten es sicherlich kaum erwarten daheim anzukommen, um sich gegenseitig die gemachten Einkäufe zu zwitschern.

  2. Arven (Michaela) sagt:

    Ein Phänomen unserer Zeit – ein trauriges dennoch..

    Aber nicht nur Jugendliche.

    Man sehe sich oft Beziehungen und Partnerschaften an.

    Wo bleiben diese Gespräche, dieses reden über Gott und die Welt.

    Man sitzt am Pc, schaut TV und lebt aneinander vorbei…

    Oder es gibt Nachbarn die 20 Jahre nebeneinander wohnen und sich nicht kennen. Schade eigentlich…dabei ist doch der Mensch selber das was der Mensch wirklich braucht…

  3. Silke sagt:

    Stimmt bislang habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Aber wenn man sich so umschaut sieht man wirklich oft Grüppchen von Jugendlichen die Musik hören aber nicht miteinander reden. Dabei ist doch Kommunikation so wichtig. Aber es ist wohl wie Dennis es schreibt die Kommunikation der Jugendlichen hat sich verlegt. Traurig aber wahr.

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