Outing

12. September 2007

Nach Rücksprache mit der gesamten Familie habe ich mich entschlossen, mich heute zu outen. Ich oute mich hiermit, ohne Rücksicht auf irgendwelche Konsequenzen zu nehmen, unter Inkaufnahme sämtlicher gesellschaftlicher Folgen, ohne Hoffnung auf Akzeptanz meiner Worte, in Erwartung schrecklicher Kommentare.

Ich verstehe die Strichmännchenzeichnungen (Strizz) in der FAZ nicht.

Seit dem 21. Mai 2002 überfallen mich bei der Lektüre der FAZ Strichfiguren, die mit Text versehen sind. Was das soll, verstehe ich nicht. Sie sagen: “Wie kann ich, Rafael, an die Schokolade des Onkels Strizz herankommen?” Was das heißt, verstehe ich nicht. Ich gehöre nicht zu den Comiclesern, die den größten Teil ihrer Bildung aus Mausheftchen bezogen haben.

Sicher kann ich verstehen, daß die FAZ jüngere Leser ansprechen und gewinnen will. Aber warum die Herren Bahners und Platthaus meinen, die FAZ als Plattform für ihren Donald-Club nutzen zu müssen, entzieht sich meinem Verständnis. Halt! Vielleicht weil Frau Heidenreich wegen dieser Bilderfolge die FAZ abonniert hat?

Ich weiß, daß andere Leser eine Ausgabe ohne die Strichmännchen für eine Katastrophe halten. Ich weiß, daß der Zeichner Preise bekommen hat. Ich weiß, daß Herr Platthaus in dem Zeichner Reiche den besten Comiczeichner aller Zeiten preist.

Ich kann es nicht verstehen. Und nicht darüber lachen. Nie. Ich versuche es auch nicht mehr. So, das wollte ich endlich einmal gesagt haben. Jetzt fühle ich mich wohler.

Nachtrag vom 14.9.07

Daß dieser kleine Beitrag so große Auswirkungen haben könnte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber es gibt tatsächlich eine riesige Reaktion:

Ab heute sind keine Strichmännchen mehr in der FAZ. Strizz ade! Vielen Dank!

Verbrämt wird die Maßnahme durch die Bezeichnung als “Urlaub”. Naja, es ist wohl eher eine Verbannung.

Nachtrag vom 17.9.07

Herr Platthaus und die FAZ legen nach: Heute wird der Ersatzzeichner vorgestellt (wieder ein Topzeichner, meint Herr Platthaus) und gleich darf er in die FAZ eine farbige Zeichnungenreihe einstellen als Urlaubsvertretung für Strizz. Über die Geschmacklosigkeit, darin Gott mit Fraktur auftreten zu lassen, will ich mich nicht äußern. Lachen soll über die Bildchen, wer es kann. Ich nicht.

¬ geschrieben von N.N. in Gedanken, Generell

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9 Kommentare zu ‘Outing’

  1. juliaL49 sagte am 12. September 2007 um 10:18 Uhr:

    OHA! Skandal! Noch viel schlimmer: ich habe noch nie auch nur ein solches Strichmännchen zu Gesicht bekommen! Von daher oute ich mich mal gleich mit ;-)

  2. N.N. sagte am 12. September 2007 um 11:39 Uhr:

    Noch nie eine Strichmänneken gesehen?

    Ob das denn wohl gesellschaftlich korrekt ist? ;-)

  3. juliaL49 sagte am 12. September 2007 um 11:46 Uhr:

    Sicherlich nicht! Aber ich bin kein Fan von Tageszeitungen; die Zeit habe ich eine Zeitlang über meinen damaligen Freund gelesen, aber das war es auch.

    Ok, die großen Zeitungen haben alle einen Online-Auftritt (hoffentlich!), aber da nachzuschauen, kommt mir gar nicht in den Sinn.

    Aber zurück zum Thema: es ist ziemlich schwer, aussagekräftige (satirische) Zeichnungen zu machen und die wenigsten Zeichner (die für Zeitungen arbeiten) schaffen das. Und noch weniger Leser würde zugeben, dass sie nichts verstehen. Von daher: großes Kompliment! Vielleicht trittst du ja eine Lawine los :-)

  4. Lordy sagte am 12. September 2007 um 12:33 Uhr:

    Also da ich kein Leser der FAZ (ja, ich lese nur die Ruhr Nachrichten) bin kenne ich diese Strizz auch nicht. Kannst du vielleicht mal zeigen, wie die Dinger so aussehen?

    Hm… naja… ich bin wohl echt nicht gesellschaftsfähig ;)

    MfG

    Lordy

  5. N.N. sagte am 12. September 2007 um 13:26 Uhr:

    …nur wenn es unbedingt sein muß….;-)

    FAZ-Strizz

  6. Benedikt sagte am 12. September 2007 um 16:59 Uhr:

    Du hast Recht, lieber Gastautor! Man kann wohl einen Zusammenhang zu aktuellen Geschehnissen herstellen, doch bleibt der Moment des herzhaften Lachens aus.

  7. Peter sagte am 18. September 2007 um 12:07 Uhr:

    Oh oh, ich muss grad feststellen das ich mich auch outen muss. Was ist denn die FAZ? hehehe – War nur ein Scherz. Aber wer hat denn heut noch Zeit eine normale Zeitung zu lesen? Ich informier mich fast nur noch über blogs und feeds. Das muss doch reichen oder?

    So sehen die also aus – selbst früher wo ich die FAZ gelesen habe sind die mir nicht wirklich aufgefallen.

    Für alle die sie nicht kennen: XXX

  8. N.N. sagte am 21. September 2007 um 18:10 Uhr:

    Lieber Peter, vielen ehemaligen Lesern der FAZ ist zwischenzeitlich die Fähigkeit zum gründlichen Lesen allem Anschein nach abhanden gekommen. :-)

    So hatten Sie offenkundig übersehen, daß Strizz schon am 12.9. verlinkt worden war.

    Aber nichts für ungut: Vielen Dank für Ihren Reklamehinweis, den wir aus Nichtkommerzgründen entfernt haben.

  9. Thomas F. Guthörle sagte am 23. April 2008 um 20:41 Uhr:

    “Outen” ?

    “Outing ” ?

    Wieso sprechen und schreiben wir nicht deutsch ?

    Wir können doch alles in unserer reichen, ausdrucksstarken,

    vielfältigen Muttersprache ausdrücken !

    Wir können “bekennen” und “offenbaren” schreiben,

    das klingt viel besser, verständlicher und auch schöner !

    Das “Pingding”-Englisch klingt einfach schauderhaft, oder…

    Viele Grüße

    Thomas F. Guthörle

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