BAZ, Bürokratisch ausartende Zumutungen

30. September 2007

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Frisch, fromm, fröhlich und etwas unfreiwillig begab ich mich vor nunmehr fast 3 Monaten in den Dienst für mein Vaterland, ich brach auf, es am Waschlappen zu verteidigen, nichtsahnend, welche Merkwürdigkeiten mir noch begegnen würden.

Zunächst erschien der bürokratische Aufwand um Zivildienstleistender zu werden durchaus überschaubar, es galt lediglich einen netten Brief, in dem man erklärte, dass man doch bitte, bitte nicht „weder Mensch noch Tier, sondern Panzergrenadier“ werden wolle, an das BAZ, das Bundesamt für den Zivildienst, zu richten und schon war man anerkannter KDV, Kriegsdienstverweigerer.

Doch dies war nur die Ruhe vor dem Sturm, wie sich spätestens in der Zivildienstschule Ritterhude herausstellt. So präsentierte sich dem unbedarften Zivi ein Wust aus undurchsichtigen und merkwürdig militärisch angehauchten Paragraphen, Bezügen und Bezeichnungen. Außerdem konnte man sich während des Lehrganges durchaus als kaserniert ansehen, wobei man sich als Niedersachse noch glücklich schätzen konnte, nicht ein armes Schwein zu sein, das 6 Stunden mit dem Zug nach Ritterhude fährt, obwohl die nächste Zivildienstschue in Fußweg-Reichweite gewesen wäre. Nichtsdestotrotz sah man sich nach dieser einwöchigen (Des-)Informationsveranstaltung dann zwar als informiert an, konnte aber nicht wirklich viel mit den Formularen seiner Dienststelle anfangen, die irgendwie nicht die gleichen waren, die man doch in Ritterhude erklärt bekommen hatte.

Dabei fällt mir dann noch das nette Verfahren ein, wie man dienstlich korrekt zu einer ärztlichen Behandlung zu kommen hat. Zunächst ist es erforderlich, sich einen hellgelben Behandlungsschein von seiner Dienststelle zu besorgen. Mithilfe dessen lässt man sich dann von seinem Hausarzt eine Überweisung zu dem Arzt, zu dem man eigentlich will, schreiben. Stellt der Arzt eine Dienstunfähigkeit fest, so ist er natürlicherweise nicht berechtigt, den ZDL sofort krank zu schreiben, nein, der ZDL ist zunächst verpflichtet sich in seiner Dienststelle zu melden, um sich einen gelben Schein (in doppelter Ausführung) geben zu lassen, den er dann beim Arzt mit der Krankschreibung versehen zu lassen hat. Der in doppelter Ausführung vorliegende Schein muss dann bei der Dienststelle eingereicht werden, die dann ein Exemplar an die medizinische Abteilung des Bundesamtes weiterleitet.

Diese Verfahren ist allerdings noch ungemein einfach, wenn man einmal betrachtet, welche Komplikationen es mit sich bringt, eine besondere Sehhilfe zu beantragen, und wie wenig eigentlich jeder einzelne Beamte weiß. Ruft man denn zwei verschiedene Sachbearbeiter an, erhält man gegenteilige Auskünfte. Während der eine die Auskunft gibt: „Sie müssen sie beim Bundesamt einen formlosen Antrag einreichen und erhalten ihre Sehhilfe gegen Vorlage des grünen Formulars.“, behauptet der andere, man benötige lediglich das gelbe Formular von seiner Dienststelle, und der dritte spricht von einem weißen Formular, da man doch zu viele Dioptrien habe. Verwirrt begibt man sich dann vertrauensvoll zu seinem Optiker und beschließt ¾ der Brille zuzuzahlen, um nicht ein Kilo Silikatglas nach DIN 58203 auf der Nase zu tragen.

¬ geschrieben von Prof. Unrath in Daily Life