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Das Leben eines Jugendlichen (vielleicht auch schon eines älteren Menschen) scheint heutzutage sonderbar zu sein. Er steht irgendwann morgens auf und isst etwas. Danach weiß er nicht weiter. Auch wenn die Eltern zu Hause wären, würde man es keine zwanzig Minuten mit ihnen aushalten. Eltern wissen alles besser. Eltern erklären einem was. Also, Eltern sind blöd. Deshalb kommen diese zwei Menschen im Haus nicht in Frage etwas gegen die, und ich wiederhole mich da gerne, nach zwanzig Minuten einsetzende Langeweile zu unternehmen. Außerdem sieht man ja auch im Fernsehen, dass man mit den Eltern nicht redet, man nur mürrisch Antworten geben darf und sowieso.
Also fällt die erste Wahl auf den Computer. Der hat ja was zu bieten. Communitys, Chats und Seiten, wo man sich lustige Bilder und Videos ansehen kann. Da muss doch etwas dabei sein, was einen ablenkt. Nach einer knappen Stunde werden die Seiten aber langweilig, weil man sich durch alle durchgeklickt hat. Gelesen hat man nichts, da müsste man seinen Kopf anstrengen und es würde ja Zeit in Anspruch nehmen. Wie war das nochmal mit der Langeweile? Naja, egal. Auf jeden Fall hat nun der Jugendliche alle wichtigen Seite gesehen. Weiß, daß Jennifer nicht mehr mit Hanswurst zusammen ist. Schrecksekunde. Aber dann doch nicht so wichtig, man kannte die ja nur flüchtig.
Was bleibt ist der Chat. Die ICQ-Liste ist voll mit Personen die man (flüchtig) kennt. Also alle mal der Reihe nach mit „Hallo! Wie geht’s?“ bombardieren. Einer von ihnen wird einem ja wohl die Aufmerksamkeit geben, die man so gern möchte. Nach ein paar Minuten sind die Gespräche aber leider vorbei. Über ein „und sonst so?“ ist man nicht hinaus gekommen. Wieder gähnende Leere im Kopf und Langeweile. Was tut man in einer solchen Situation?
Bleibt doch noch ein Medium zur Rettung. Der Fernseher. Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Für den Jugendlichen schrecklich. Er möchte Action. Es muss schnell und laut zugehen und ihn bestmöglich von seiner Unfähigkeit, Selbstständig irgendetwas zu machen, ablenken. Hat er etwas gefunden, gammelt er so lange vor der Glotze, bis ihm das auch wieder zu öde geworden ist und er wieder an den Computer geht.
Im Haus macht man dann noch einen kleinen Umweg, um ja nicht an dem Bücherregal vorbei zu kommen.
ICQ trötet wieder und der nächste Versuch sich abzulenken ist gekommen. Es werden abermals irgendwelche nichtssagende Gespräche geführt und vielleicht kommt es sogar einmal zu einer Verabredung.
Jackpot. Also auf zu diesem Menschen, dem es nicht anders ergeht wie einem selbst. Denn wie heißt es so schön: zusammen langweilen ist besser als alleine. (Und nachts ist es auch kälter als draußen)
Nun kann man zusammen auf dem Sofa gammeln und Fernsehen gucken. Bis zum Abend. Irgendwann geht man dann mal ins Bett. War ja ein anstrengender und erfüllter Tag.

Im Leben dieser Menschen muß ständig etwas los sein. Jeden Tag muß ein, in irgendeiner Art und Weise, kreativer Mensch sie bei der Hand nehmen, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Ansonsten sieht der Tag so aus, wie oben beschrieben. Eintönig. Dumm. Langweilig.
Sie haben verlernt, oder es nie gelernt, sich selbst mit Dingen zu beschäftigen. Sich einer Sache anzunehmen und sich damit auseinander zu setzten. Schlimm und traurig zugleich.
Sein Leben so untätig zu verbringen, weil man einfach nicht weiß, was man mit sich selbst anfangen soll.
“Von der Kunst, sich nicht selbst beschäftigen zu können” wollte ich euch was erzählen. Habt ihr etwas darüber erfahren? Nein? Dann fragt einfach den nächsten Menschen, der euch mit den Worten: “Hey, wie geht es dir?” anspricht und danach kreativlos und wortlos darauf wartet, dass ihr ihn aus seinem anhaltenden Langeweileloch holt.

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23. November 2010 | Gedanken

Ein Kommentar wurde geschrieben

  1. bernd schimanski sagt:

    Da ist leider Gottes so viel wahres dran. Wer z.B. auf wkw die aktuellen Postings unter “neues” aufruft, kann jeden Tag lesen, wie viele, besonders junge Leute, sich langweilen und mit ihrer kostbaren Zeit nichts anzufangen wissen.
    Dabei wäre es doch so einfach, seine freie Zeit wertschöpfend zu gestalten, z.B. mit einer eigenen Homepage, einem Blog und ein paar kreativen Ideen für originelle, ausgefallene Geschenke. So kann man ganz nebenei auch noch Geld verdienen und Langeweile wird automatisch ein Fremdwort.

    In diesem Sinne.
    Ich wünsche Dir stets von Langeweile befreite Momente und immer eine gute Idee, wie du dich selbst beschäftigen kannst.

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