Heute morgen erwachte ich in einem ansehnlichen Gebirge aus Müll. Nicht nur, dass sich in allen Ecken des Raumes PET-Flaschen angesammelt hatten, nein, auch allerlei halb aufgegessene Knabbereien mit den zugehörigen Tüten lagen herum. Aber damit noch nicht genug: auch Plastikbecher und Pizzaschachteln erfüllten den Raum mit dem Wohlduft einer durchzechten Nacht.

Während des –auf Grund offensichtlicher Faktoren erschwerten- Aufräumens, begann ich so, mir meine Gedanken zu machen, ob alles wirklich so sein muss. Schließlich sah ich mich gezwungen literweise zuckerhaltige Getränke aus halbvollen Flaschen zu entsorgen und musste ebenfalls vom Verzehr der Angebrochenen Knabbereien absehen.

Aber all dies ist ja nur die Spitze des Eisberges. Man erfährt persönlich, wie sehr wir doch in einer Wegwerf- und Verschwendungsgesellschaft leben, weil man prinzipiell noch essbare Lebensmittel wegwirft und sich in Bergen aus prinzipiell ja noch verwendbaren Aluminiumfolien wälzt. Die Gründe und Ursachen dieser Entwicklung, die sich wohl vor allem in den letzten 50 Jahren abgespielt haben, sind weitreichender als man glaubt.

Zunächst sind einmal die offensichtlichen Vorteile des Verpackungswahnes zu sehen, die vor allem in der Einfachheit bestehen, sich etwas Fertig abgepackt zu kaufen, und die Packung dann einfach achtlos fortzuwerfen. Auf diese Weise kann auch im Einzelhandel und wohl auch im Transportwesen – in dem wohl auch größere mengen an Verpackungsmaterial verbraucht werden – Arbeitsaufwand und Personal eingespart werden.

Ein weiterer Vorteil besteht für die Hersteller der Produkte selbst, die sich durch die Gestaltung ihrer Verpackungen von der Konkurrenz abheben können. Als Beispiel sei hier die typische Flaschenform der Coca-Cola genannt.

Doch neben diesen vordergründigen Vorteilen stellt das Auftreten von Einwegverpackungen einen Zentralen Aspekt unserer Wirtschaftsordnung heraus. Schließlich erzeugt die Verwendung von Einwegverpackungen einen hohen Beschäftigungsgewinn. Gerade in meinem Heimatlandkreis besteht eine hohe Dichte, sowohl an Betrieben, die Lebensmittel für den Verzehr aufbereiten und Verpacken, sowie an Betrieben der Kunststoffindustrie, die alles von Shampooflaschen bis Blumentöpfen herstellen. Ohne diese Betriebe, wäre das Wirtschaftsleben dieses Kreises nicht vorstellbar. Gerade dies zeigt eindrucksvoll auf, wie sehr die westliche Wirtschaft vom Konsum abhängig ist.

Nun sind die ökonomischen und ökologischen Probleme der Wegwerfgesellschaft aber nicht nur auf die simplen Dinge, wie Verpackungen, beschränkt – nein – jedes für den Endverbraucher vorgesehene Produkt wird von der Industrie – wohl mit Absicht- mit nur einer begrenzten Lebensdauer ausgestattet. So hält unser über ein viertel jahrhundert alter Blaupunkt-Farbfernseher immer noch, was er verspricht, während sein Nachfolger von Sony bereits den Geist Aufgegeben hat. Dasselbe betrifft auch die Automobilbranche. Während an einem Käfer so gut wie alles selbst repariert und leicht ausgetauscht werden konnte, ist es an einem heutigen Auto unter Umständen nicht einmal mehr möglich, eine Birne des Fahrlichtes zu wechseln, ohne gleich den ganzen Luftfilter auszubauen, wozu naturgemäß Spezialwerkzeug erforderlich ist. Ganz davon abgesehen, dass der vermehrte Einbau von komplizierter Technik in die Autos nicht nur den Produktionsaufwand vergrößert, sondern auch die Reparaturanfälligkeit erhöht bzw. die Lebensdauer das Fahrzeugs negativ beeinflusst.

Neben den zuvor angesprochenen direkten Nachteilen für den Verbraucher gibt es aber auch noch das Problem der Nachhaltigkeit bzw. des sinnvollen Umgangs mit Ressourcen und der Umwelt. So verbraucht eine ständige Neuproduktion von Verpackungen und „Verschleißgütern“ einen Großteil beispielsweise der Kunststoffproduktion, erzeugt dabei einen erhöhten Landschaftsverbrauch und treibt die Umweltzerstörung voran.

Alarmierend ist vor allem aber die Tatsache, dass ein Ende der Entwicklung zu einem größeren Verbrauchsvolumen kaum zu erwarten ist. Wirtschaftswissenschaftler haben berechnet, dass in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von über 2% notwendig ist, um die Beschäftigungsverluste durch Automatisierung auszugleichen. Geht man nun davon aus, dass die Wirtschaft in den nächsten 50 Jahren mit den erforderlichen 2% wächst, so muss ich, wenn ich 70 Jahre alt bin – und vielleicht noch nicht einmal in Rente – sowohl an meiner Arbeitsstelle den 2,7-fachen Wert erzeugen, wie auch als Privatperson den 2,7-fachen Wert an Waren konsumieren.

Aber kann und soll dies Wirklich auf dieser Welt stattfinden? Werden wir wirklich so viel mehr konsumieren können, oder wird das Wachstum an seine Grenzen stoßen und die Gesellschaftsordnung schon vorher einen radikalen Umbruch erleben?

Eine wichtige Rolle wird spielen, wie clever die Menschen sein werden. Ich denke wir sind clever genug. Das Wachstum sucht sich schon seinen Weg.

CC: Photo von Jean Pierre Hintze

Tweet


10. September 2010 | Gedanken

2 Kommentare wurden geschrieben

  1. Steven sagt:

    Wieso kann ich mir nicht vorstellen, dass es bei dir so wie du es am Anfang beschrieben hast eigentlich nicht gar nicht sein kann?

    grüße

    steven

  2. Steven sagt:

    Wieso lese ich eigentlich nie die letzten Zeilen eines Blogeintrags? Von daher ignoriere einfach diese 2 Kommentare.

    grüße

    Steven

Schreibe einen Kommentar