So oder so ähnlich könnte man es moderieren, wenn neben mir ein Kamerateam stünde und mich für die Sendung „Menschen im Alltag“ filmen würde.

Egal ob sich jemand auf und davon ins Ausland macht, Goodbye Deutschland sagt, oder den Kochlöffel für ein perfektes Dinner schwingt. Jede Dokumentation wird von einem Sprecher begleitet, der als Off-Kommentator agiert.

Dieser soll den Zuschauer durch die Sendung begleiten. Er hat die Aufgabe Zusammenhänge zu erklären, die nach dem Schnitt entfernt worden sind. Natürlich moderiert er auch die Bilder, die man gerade zu Gesicht bekommt und stellt Personen vor.

Für Dokumentationen, die etwas lockerer daher kommen sollte er auch mal einen flotten Spruch auf den Lippen haben. Es soll ja kein Lehrfilm sein, sondern zur Unterhaltung dienen.

Der Off-Kommentator ist somit die Stütze des ganzen Konzepts. Er macht die Sendung entweder langweilig oder gerade erst interessant.

Nun fragt sich der Sprecher, oder wenn er ein Script vorgelegt bekommt, der Scriptschreiber, wie man nur mit der Moderation dem Zuschauer Spannungsmomente und den nötigen Unterhaltungswert nahe bringen kann.

Die Wahl fällt dabei oft auf Fragen. Fragestellungen. Das hat man ja auch schon in der Schule gelernt. Eine spannende Geschichte wird noch spannender, wenn man im richtigen Moment noch eine Frage einschiebt. „Aber was war das?“ „Woher kamen die geheimnisvollen Geräusche?“ „Wie konnte der Täter entkommen?“

Solche Fragen regen zum weiterlesen an. Dies lernt man schon in der Grundschule. Für den Leser wird es spannend. Er stellt sich diese Fragen selbst, kennt die Lösung oftmals nicht und liest noch intensiver und schneller, um das Rätsel zu lösen

Mit einer solchen Methode versucht es auf der Off-Kommentator. Der gewünschte Effekt bleibt jedoch aus, weil die Fragen einfach so blöd sind und so verdammt unpassend, dass man sie nicht mehr hören kann.

Jedes Mal, wenn jemand von zu Hause los und zum Flughafen fährt wird die spannende Frage gestellt: „Werden Sie ihre Maschine noch rechtzeitig erreichen?“. Vorangegangen ist dann meist der Umstand, dass irgendein Mädel ‘ne Jacke an der Garderobe vergessen hat und noch einmal ins Haus muss, um sie zu holen.

„Werden sie den Trennungsschmerzen überleben?“. Zu solchen Fragen wird oft traurige Klaviermusik eingespielt und erzählt, dass die junge Beziehung erst drei Wochen andauert.

Ja verdammt, wenn sie das nicht überleben wird, muss sie halt zu Hause bleiben. Da kommt keine Spannung sondern nur Ärger über solche dummen Fragen auf. Und es ist nicht nur einmal. Das könnte man ja verstehen. Wenn es super passt, kann man das ja spaßeshalber einmal den Zuschauer fragen. Aber jedes Mal?

Es ist vier Uhr und die Frau steht seelenruhig in der Küche und kocht ihr Süppchen. Welche frage wird gestellt? Richtig! „Wird Monika bis heute Abend mit ihrem Drei-Gänge Menü fertig?“

Nein! Deshalb macht die auch so’n unglaublichen Stress. Sie bricht ja fast in Panik aus, weil sie nur noch 3 Stunden hat. Ihr filmt doch sowieso jede Sequenz fünf Mal. Da hat sie doch noch bis zum Morgengrauen Zeit ihre blöden anderen Speisen zu zubereiten.

Also frage ich mich jedes Mal, wieso sie nicht eine andere Methode anwenden Spannung aufzubauen, wenn denn überhaupt Spannung in eine Doku-Soap hinein muss. Lasst die Leute doch lieber über ihre Gefühle reden. Das ist doch noch so eine alberne Masche, aber ein ganz anderes Thema.

Der Off-Kommentator: „Wird Benedikt es jetzt schaffen, auf veröffentlichen zu drücken?“

Ja! Schaffe ich! Schon tausend Mal gemacht.

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25. November 2010 | Generell

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