Zeitgeistlich ins Unheil

Als vor ein paar Tagen das Gespräch auf Himmel, Hölle und Fegefeuer kam, sprach einer aus dem Kreis davon, dass es ganz sicher nur den göttlichen Himmel gibt. Alles andere sei nicht vorhanden. Eine heftige Reaktion folgte von konservativer Seite, dass ein solcher Ausspruch eines Theologiestudenten doch häretisch (ketzerisch, abtrünnig) sei, die Auffassung entspreche nicht herkömmlicher Lehre.

Die liberale Person trank darauf weiter ihr Bier. Sie wollte dem Dozenten, von dem sie diesen Gedanken hätte, eine E-Mail schreiben. Gesagt, getan.

Ein paar Tage später wurde dann im Gespräch ansatzweise ein kleines Zugeständnis gemacht: Ja, es gibt das Fegefeuer. Doch dort müsse man auf keinen Fall leiden. Der Nebensatz schoss so schnell hinterher, dass man denken konnte, als sei der Hauptsatz nur für sich gesprochen frevelhaft.

Was mit der Hölle sei, wusste die Person nicht. Doch sei sie, sofern sie existiere, auf jeden Fall leer.

Ich möchte hier keinen Abriss der katholische Lehre über die Hölle vortragen. Wenn es jemanden wirklich interessiert, der darf gerne in den Katechismus gucken oder an seinen Religionsunterricht zurückdenken, sofern die Lehrperson in der Lehre wahrhaftig war und kein liberaler, postmoderner Zeitgeist.

Denn genau darum geht es – wie so oft in dieser Zeit – es geht um den Zeitgeist.

„Keinesfalls Leid“ bedeutet nach zeitgeistiger Auffassung: keinesfalls Anstrengung, um sein Heil, seine Zukunft oder in allen anderen Situationen des Lebens. Alles muss laufen, doch Vorschriften (auch Lehrsätze), oder Schwierigkeiten dürfen dabei nicht auftreten. Der moderne Mensch möchte keine Hindernisse im Leben, er argumentiert und reduziert sie einfach weg.

Grundsätzliche Lehrsätze – und damit sind nicht nur die der Kirche gemeint, sondern alle, die das Leben in der Gemeinschaft regeln – sollen durch den ZeitGEIST ersetzt werden.

Der Geist der Gegenwart hat mehr Gewicht als 2000 Jahre alte Lehren, die durch Tradition und Erfahrung weitergegeben werden.

Kenntnisse verschiedener Lebenssituationen werden nicht weitergegeben. Die Jugend wird nicht mehr nach rationalem Verstand erzogen, sondern – wie es die Postmoderne vorschreibt – ohne viele Ver- oder Gebote.



Zwei Zitate von Alexander Smoltczyk aus seinem Spiegelartikel: WIR WAREN PAPST

„Als ob es auf Moral ankäme.“

„Moralische Urmeter stören da nur, weil sie sperrig im Weg liegen. Fürs Navigieren im Nebel der Gegenwart reicht das innere GPS völlig aus “

Hier spricht der Zeitgeist. Die Vernichtung aller bestehenden Lehren ist das Ziel. Sei es das so hinterweltlerische Gerede aus dem Vatikan, wie es in dem Artikel gefordert wird, oder die moralisch, mahnende Appelle der Eltern an ihre Kinder.

Der Dank, der Lobpreis geht an die Aufklärung. Auch an die 68er. Der Grundstock für ein freies Denken wurde gelegt und wird nun vollkommen ausgelebt. „Das innere GPS“ ist der Motor, das Gewissen, die Lehre und das allerhöchste Gut, was der moderne Mensch hat.

Nicht mehr gebunden ist nun alles möglich.

Zeitgeist ist Gott geworden. Durch und durch aufgeklärt ist es möglich, sich das Paradies auf Erden zu schaffen. Kritik wird an denen geäußert, die sich der Meinung in den Weg stellen. Die mit alten Paradigmen kommen und auf hirnrissige Weise meinen, dass Abtreibung Mord wäre.

„Wenig Hilfreiches“ hat, laut Alexander Smoltczyk, die Kirche zu bieten. Die Konservativen stören die Gedanken der Postmodernen.

Fortschrittlich, menschlich, tolerant. So muss der moderne Mensch sein. Da ist es auch kein Problem, dass Kinder abgetrieben werden. Der tote Leib wird dann als menschlicher Supermarkt angesehen. Ausgeschlachtet bis zum letzten verwertbaren DNS-Strang kommt die bloße Hülle dann auf den Müll.

Das ist das fortschrittliche Denken. Ohne Moral.

Das Designer-Baby wird gefeiert. Nun sind wir am Ziel angekommen. Wir sind nicht mehr Papst. Wir sind Gott. Ein Baby aus dem Reagenzglas. Eine Frage der Zeit, bis es auch hierfür, in dem so fortschrittlichen Internet, das laut Spiegelschreiber die Welt mehr verändert hat als die letzten Päpste, einen Shop gibt, wo man sich das perfekte Baby zusammenstellen kann.

Das ist das fortschrittliche Denken. Ohne Moral.

Das Internet wird als größte Erfindung der Menschheit gefeiert. Stimmt. „Kind, mach doch mal deine eigenen Erfahrungen im Chat mit den pädophilen Menschen.“ „Treibe dich doch stundenlang auf den Pornoseiten herum und werde zu einem morallosen Etwas, ohne ethische Normen.“

So ist das oberste und vielleicht einzige Gebot der modernen Pädagogik: „Lass sie doch ihre eigenen Erfahrungen machen“.

Dies so häufig propagierte Postulat führt dazu, dass die Kinder nicht mehr wissen, wer sie sind, was sie sollen und wohin sie sollen. „Alles darf man, nichts muß man“, ist ein weiteres bekanntes Zitat.

Für irgend etwas sind deine eigenen Erfahrungen schon gut. Verbote? Moral? Nein wofür? So etwas obliegt doch der katholischen Kirche und dem anderen konservativen Pack.

Es kann gefeiert werden. Schwulsein ist jetzt in. Homosexualität ist salonfähig. Nur die Kirche macht noch einen Strich durch die Rechnung.

Laut Zeitgeist hat jeder das Recht, anders zu sein. Jeder, außer der katholischen Kirche, den Konservativen und all den anderen, die sich gegen den Zeitgeist stemmen. Alle Menschen sind gleich, nur der Zeitgeist ist etwas gleicher.

Meinungsfreiheit ist dem modernen Menschen ein wichtiges Gut. Die Möglichkeit, diese dazu zu nutzen, seine zeitgeistlichen Gedanken zu propagieren, nimmt er gerne wahr. So fahren nun in England alle Busfahrer, egal ob Atheist oder Christ, Busse mit dem Aufdruck: “There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.” durch die Gegend. Natürlich mitfinanziert durch Vorzeigezeitgeist Richard Dawkins. Die Frage ist, weshalb überhaupt noch ein „wahrscheinlich“ in diesem Slogan steht. (Wahrscheinlich hätten die Busse sonst nicht mit den Aufschriften fahren dürfen.) Dawkins sieht das Christentum als „psychiatrische Krankheit“ an.

Nun könnte man meinen, dass im Umkehrschluss auch Christen das Recht hätten, ihre Meinung kundzutun. Doch weit gefehlt.

Wenn ein Christ sagt, dass Homosexualität eine psychische Krankheit ist, die man heilen soll, wird wütend auf die Kirche eingedroschen. Wenn die katholische Kirche einen Bus mit der Aufschrift: „Es gibt einen Gott, also sorge dich um dein Seelenheil“ fahren würde, hätten zeitgeistliche Autoren wohl viel zu tippen. Die Kirche würde Gehirnwäsche bei unseren Kindern durchführen und würde wieder mittelalterliche Verhältnisse fordern.

Die Gesellschaft verkommt. Die rosige Zukunft in den nächsten Jahren:

Die letzte Instanz für Moral und Ethik ist abgeschafft. Sodomie ist erlaubt -jeder nach seiner Fasson. Abtreibung ist gesetzlich zugelassen. Eheschließungen gibt es kaum noch. Es herrscht Unzucht und Unordnung. Minderheiten gibt es nicht mehr, jeder hat das Recht, so zu leben, wie er möchte.

Und das ist gut? So etwas sollen unsere Kinder sehen?

Sich ableckende Männer stehen an jeder Ecke. Die Lehrer meiner Kinder hängen das vielleicht noch vorhandene Kreuz im Klassenraum verkehrt herum auf, weil sie einer satanischen Sekte angehören. Aber meine Kinder sollen nicht zu morallosen Wesen verkommen, die keinen Halt vor gar nichts kennen.

Es muss wieder eine Ordnung einkehren. In den Köpfen der Menschen. Die Zeit muss gebremst werden. Nicht angehalten, aber gebremst. Denn sonst stehen wir schon bald vor dem Scherbenhaufen der Moderne.

Um mit einem fiktiven Gespräch zwischen Herrn Zeitgeist und Lothar Zenetti zu schließen:

Zeitgeist: „Soll doch jeder nach seiner Fasson selig werden!“

Zenetti: „Das gilt beim Essen: Der eine bestellt Kalbsschnitzel, der andere Bratwurst. Die Fasson aber, wie man vor Gott selig werden kann, haben nicht wir zu bestimmen, die bestimmt Gott. Und er hat sie bestimmt: Christus ist der Weg.“




Kommentare geschlossen.